UGC für Tierfutter-Marken: Creator-Videos, die verkaufen

Luca Bräunling, SKYLL GmbH
Luca Bräunling
11. September 2026
•
10 min
Hund kuschelt sich auf dem Sofa an eine Frau, die auf ihr Smartphone schaut

Autor: Luca Bräunling, SKYLL GmbH · Stand: 11.09.2026

Wenn eine Futtermarke uns nach „Influencern“ fragt, meint sie in der Hälfte der Fälle etwas anderes: Videos, die aussehen wie von einer echten Halterin gedreht – und die als Anzeige laufen, nicht als Post auf einem fremden Account. Genau das ist UGC (User Generated Content). Dieser Beitrag zieht die Grenze zu Petfluencer-Kooperationen, liefert vier Hooks im Wortlaut, ein Briefing-Muster, die Kostenlogik und den Testaufbau, mit dem aus Creator-Clips profitable Ads werden. Wenn du stattdessen Reichweiten-Kooperationen mit Tier-Accounts planst, ist der Petfluencer-Marketing-Guide dein Einstieg.

Katze schnuppert skeptisch an einem frisch gefüllten Futternapf
Die Sekunde, um die es im Briefing-Baustein weiter unten geht: Skepsis vor dem ersten Bissen. Solche Alltagsmomente aus der Kundenarbeit sind das Rohmaterial, aus dem UGC-Anzeigen entstehen.

Was ist UGC – und worin unterscheidet es sich von Petfluencer-Kooperationen?

UGC (User Generated Content) sind Videos, die beauftragte Creator mit dem eigenen Tier für deine Marke drehen – nicht für ihre Follower, sondern als Rohmaterial für deine Anzeigen. Du bezahlst Produktion und Nutzungsrechte statt Reichweite. Petfluencer-Kooperationen buchen dagegen den Zugang zu einer bestehenden Community über deren Account.

Der Unterschied klingt akademisch, entscheidet aber über Auswahl, Vertrag und Messung. Ein UGC-Creator braucht kein großes Profil – er braucht ein Tier, Tageslicht und die Fähigkeit, vor der Kamera wie ein Mensch zu reden. Ein Petfluencer bringt eine Community mit, die ihm vertraut; dafür gehört ihm der Kanal, auf dem dein Inhalt erscheint. In der Praxis kombinieren wir beides, aber die Einkaufslogik bleibt getrennt:

Kriterium UGC Petfluencer-Kooperation
Was du einkaufstVideomaterial + NutzungsrechteReichweite + Vertrauensvorschuss der Community
Wo es läuftDeine Ads, dein Feed, deine LandingpageAccount des Creators
Rolle der FollowerzahlNahezu egalZentrales Auswahlkriterium (neben Engagement)
Typische LaufzeitMaterial wird monatelang in Ads getestetPost/Story mit begrenztem Zeitfenster
Passende MessgrößeHookrate, Kosten pro KaufErreichte Halter, Engagement, Code-Einlösungen

Warum lohnt sich UGC gerade für Futtermarken?

Weil Futter ein Vertrauenskauf im Alltag ist: 2025 gaben deutsche Halter rund 4,3 Milliarden Euro für Fertignahrung im stationären Handel aus (IVH/ZZF), und in 43 Prozent der Haushalte lebt ein Heimtier. Kaufentscheidungen fallen über glaubwürdige Alltagssituationen – genau das Format, das UGC liefert und Hochglanz-Produktion nicht.

Die Marktdaten von IVH und ZZF (Datenjahr 2025) zeichnen den Rahmen genauer: Im stationären Handel entfallen gut 2,3 Milliarden Euro auf Katzenfutter und rund 1,8 Milliarden Euro auf Hundefutter; in Deutschland leben 15,7 Millionen Katzen und 10 Millionen Hunde. Das heißt für dich: Die Zielgruppe ist riesig, aber sie kauft ein Produkt, das ihr Tier fressen muss und dem sie vertrauen will. Ein Werbespot behauptet Vertrauen – ein Video, in dem eine skeptische Katze nach drei Sekunden Schnuppern doch frisst, zeigt es. Der schnellste Realitätscheck dafür: Nimm deine drei meistverkauften Produkte und notiere zu jedem die eine Alltagssituation, in der es den Unterschied zeigt – fällt dir keine ein, hat dein UGC-Briefing noch kein Motiv.

Welche UGC-Hooks funktionieren für Tierfutter?

Hooks, die eine konkrete Situation mit dem Tier zeigen und eine kleine, überprüfbare Behauptung machen – kein Produktversprechen. Die ersten drei Sekunden entscheiden, ob der Feed weiterläuft. Unten stehen vier Formulierungen im Wortlaut, die du direkt ins nächste Creator-Briefing übernehmen kannst, mit je einem Satz, warum sie tragen.

  • „Mein Hund hat drei Sorten stehen lassen – bei dieser hat er den Napf umgeworfen.“ Trägt, weil der Misserfolg zuerst kommt: Wer eigene Fehlkäufe zugibt, bekommt für die Auflösung Glaubwürdigkeit geschenkt.
  • „Meine Katze ist seit acht Jahren wählerisch. Das hier ist das erste Futter, das sie zweimal angefasst hat.“ Trägt, weil die Zeitangabe die Geschichte prüfbar macht und „zweimal angefasst“ bewusst klein bleibt statt ein Wunder zu behaupten.
  • „Drei Dinge auf dem Futteretikett, die mir jahrelang nicht aufgefallen sind.“ Trägt, weil er eine Wissenslücke öffnet und Beleg statt Behauptung verspricht – ohne eine einzige Aussage über Wirkung.
  • „Ich hab ausgerechnet, was uns eine Tagesration wirklich kostet – das Ergebnis hätte ich nicht gedacht.“ Trägt, weil Rechnen vor der Kamera Autorität erzeugt, die kein Werbetext bekommt, und die offene Lücke zum Weiterschauen zwingt.

Was alle vier gemeinsam haben: kein „gesund“, kein „besser verdaulich“, kein Heilversprechen. Aussagen über Wirkung sind im Futtermittelrecht heikel und gehören nicht in einen Creator-Mund, sondern – wenn belegbar – auf deine Produktseite. Wo genau die Grenze zwischen Ernährungs- und Krankheitsaussagen verläuft, steht im Beitrag Was Creator über Tierfutter sagen dürfen.

Wie briefst du UGC-Creator, ohne den Content totzubriefen?

Gib Situation, Kernaussage und No-Gos vor – nie den Wortlaut. Ein Skript zum Ablesen erzeugt genau die Werbestimme, wegen der du UGC überhaupt buchst, nur schlechter produziert. Fordere getrenntes Rohmaterial plus drei Hook-Alternativen an, damit dein Schnitt Varianten bauen kann. Die Checkliste unten ist unser Arbeitsstand. Wie ein vollständiges Briefing mit allen Feldern aussieht, zeigt unser Creator-Briefing für Tierfutter.

Der Fehler, den wir am häufigsten sehen: Marken schicken ein Wort-für-Wort-Skript plus Markenrichtlinien als PDF – und wundern sich, dass das Video klingt wie eine Radiowerbung. Der Kern eines guten Briefings passt in vier Sätze. Unser Baustein im Wortlaut, den du anpassen und direkt verschicken kannst:

„Sprich, wie du einer Freundin von dem Futter erzählen würdest. Zeig die Situation, nicht die Verpackung: erster Napf, skeptisches Schnuppern, leerer Napf. Sag den Markennamen genau einmal und triff keine Aussagen über Gesundheit oder Wirkung. Dreh hochkant bei Tageslicht ohne Musik – die legen wir im Schnitt darunter.“

Dazu die Punkte, die in jedes UGC-Briefing gehören:

  • Eine Kernaussage pro Video – nicht drei.
  • Die Hook als Situation beschreiben („Napf wird verweigert“), Formulierung dem Creator überlassen – plus drei Hook-Alternativen als separate Takes.
  • Rohmaterial in einzelnen Clips anfordern, nicht als fertig geschnittenes Video – sonst kannst du keine Varianten testen.
  • No-Go-Liste beilegen: Wirkversprechen, Vergleiche mit anderen Marken, Preisaussagen.
  • Tier zuerst: Fressen, Reaktion, Alltag – das Produkt ist Nebendarsteller.
  • Technik in einer Zeile: hochkant, Tageslicht, ohne Musik, Handy reicht.
  • Nutzungsumfang schon im Briefing nennen (Kanäle, Dauer, Schnittrecht), damit die Rechte-Frage nicht nach dem Dreh aufmacht.
  • Abnahmekriterien festlegen: Was ist ein Grund für eine Korrekturschleife, was nicht.
Der UGC-Loop: vom Briefing zur nächsten Testrunde 1 · Briefing Situation vorgeben, nicht den Wortlaut 2 · Rohmaterial einzelne Clips plus 3 Hook-Alternativen 3 · Schnitt Untertitel, Musik, Varianten bauen 4 · Ads-Test erst Hookrate, dann Kauf 5 · Learnings Gewinner-Muster dokumentieren Learnings fließen ins nächste Briefing Der UGC-Loop: Briefing bis Testrunde 1 · Briefing Situation vorgeben, nicht den Wortlaut 2 · Rohmaterial einzelne Clips plus 3 Hook-Alternativen 3 · Schnitt Untertitel, Musik, Varianten bauen 4 · Ads-Test erst Hookrate, dann Kauf 5 · Learnings Gewinner-Muster dokumentieren Nach Schritt 5 zurück zu Schritt 1: Learnings fließen ins nächste Briefing.

Was kostet UGC – und welche Posten übersieht man leicht?

UGC bezahlst du pro Video plus Nutzungsrechte, nicht pro Reichweite. Den Einstieg markieren Plattformpreise – Influee nennt auf der eigenen Startseite Videos ab 82 US-Dollar (Abruf 10.09.2026) –, nach oben entscheiden Erfahrung des Creators, Rechteumfang und Laufzeit. Dazu kommen Schnitt, Varianten und das Mediabudget für die Ausspielung.

Übersehen werden regelmäßig drei Posten. Erstens die Nutzungsrechte: Das Urheberrecht am Video bleibt beim Creator, du erwirbst ein Nutzungsrecht in einem bestimmten Umfang – welche Kanäle, wie lange, mit oder ohne Bearbeitung. Ein umfassendes, unbefristetes Nutzungsrecht („Buyout“) kostet spürbar mehr als sechs Monate Paid-Nutzung; halte den Umfang deshalb schriftlich fest, bevor gedreht wird. Zweitens der Schnitt: Aus einem Rohmaterial-Paket entstehen erst durch Untertitel, Musik und alternative Hooks die Varianten, die du testen kannst. Drittens das Mediabudget selbst – das beste Video verkauft nichts, wenn es niemand sieht. Wir arbeiten für bezahlte Kampagnen ab rund 3.000 Euro Mediabudget im Monat, das Agenturhonorar kommt getrennt dazu; über alles Weitere sprechen wir im Termin. Marktübliche Spannen für Creator-Videos im DACH-Raum liegen übrigens deutlich über solchen Plattform-Einstiegspreisen – die konkreten Zahlen und Abrechnungsmodelle haben wir im Beitrag Petfluencer-Kosten 2026 aufgeschlüsselt.

Wie werden aus UGC-Clips profitable Ads?

Als Anzeigen aus deinem eigenen Werbekonto: Du lädst die Clips als Creatives hoch und steuerst Budget, Zielgruppen und Varianten selbst. Getestet wird zweistufig – erst entscheidet die Hookrate über acht Varianten, dann bekommt der Rest des Budgets die zwei Gewinner auf Kaufebene. Das Profil des Creators brauchst du dafür nicht. Sollen die Clips stattdessen aus dem Profil des Creators laufen, sind das Creator-Ads – mit eigenen Regeln für Rechte und Freigaben.

Die Rechnung dahinter ist simpel und der Grund, warum wir nie alle Varianten gleichzeitig bis zum Kauf messen: Verteilst du 3.000 Euro Monatsbudget gleichmäßig auf acht Hook-Varianten, bekommt jede 375 Euro im Monat – genug, um zu sehen, wer die ersten drei Sekunden übersteht, aber zu wenig für ein belastbares Signal auf Kaufebene bei jeder einzelnen Variante. Deshalb laufen in Woche eins und zwei alle acht Varianten auf die Hookrate, ab Woche drei und vier bündelt das Restbudget die zwei Gewinner und wird an den Kosten pro Kauf gemessen. So produziert jeder Testmonat zwei Erkenntnisse: welche Situation hält, und welche davon verkauft.

Testlogik mit 3.000 € Mediabudget: erst Hooks, dann Kauf Woche 1–2: 8 Hook-Varianten je 375 € Budgetanteil im Monat Messgröße: Hookrate – Anteil, der die ersten 3 Sekunden übersteht Woche 3–4: die 2 Gewinner Restbudget gebündelt auf die Gewinner, gemessen an Kosten pro Kauf Testlogik mit 3.000 € Mediabudget: erst Hooks, dann Kauf Woche 1–2: 8 Hook-Varianten je 375 € Budgetanteil im Monat Messgröße: Hookrate – Anteil, der die ersten 3 Sekunden übersteht Woche 3–4: die 2 Gewinner Restbudget gebündelt auf die Gewinner, gemessen an Kosten pro Kauf

Dass diese Maschine funktionieren kann, zeigt ein einzelner Fall aus unserer Arbeit: Vier Creator lieferten über drei Monate laufend Material, daraus entstanden über 150.000 Euro Neukundenumsatz für eine BARF-Marke. Zur Einordnung: Die Marke hatte bereits einen funktionierenden Shop und laufende Kampagnen als Unterbau – das Ergebnis ist kein Richtwert und kein Automatismus, sondern zeigt, was der Testaufbau in einem günstigen Fall hergibt. Wie du das Fundament dafür legst – Tracking, Kontostruktur, Zielgruppen – steht im Leitfaden Social Media Ads für Onlineshops.

FAQ: UGC für Tierfutter-Marken

Brauchen UGC-Creator ein Tier mit großem Account?

Nein. Wichtiger als jede Followerzahl ist, ob die Person frei vor der Kamera spricht und ihr Tier vor der Linse ruhig bleibt. Beim Casting hilft ein 30-Sekunden-Testclip zu einem beliebigen Alltagsthema mehr als jedes Portfolio.

Wem gehören die fertigen Videos?

Dem Creator – du nutzt sie im vereinbarten Umfang. Halte im Vertrag vier Punkte fest: Kanäle (Ads, eigener Feed, Shop), Laufzeit, Bearbeitungsrecht und ob der Account des Creators für Anzeigen mitgenutzt werden darf. Vorlagen für Buyouts und lange Laufzeiten juristisch prüfen lassen.

Muss UGC als Werbung gekennzeichnet werden?

Beauftragte Videos sind Werbung. In Anzeigen übernimmt das Anzeigenformat die Kennzeichnung; postet der Creator zusätzlich organisch, muss er selbst kennzeichnen. Die Kriterien dazu sammelt der Leitfaden der Medienanstalten (siehe Quellen).

Wie viele neue Videos braucht eine Futtermarke pro Monat?

Es gibt keinen festen Wert. Das Signal für Nachschub kommt aus dem Werbekonto: Steigt die Frequenz spürbar und fallen gleichzeitig die Klickraten, ermüdet das Creative – dann braucht der Test neue Situationen, nicht mehr Budget. Wie wir Material und Budget in den ersten 90 Tagen verteilen, zeigt unser Plan für den Launch eines neuen Tierfutters.

Funktioniert UGC auch für erklärungsbedürftige Produkte wie BARF?

Gerade dort. Portionieren, Auftauen, erste Umstellungswoche – alles Situationen, die sich zeigen lassen statt behaupten. Die Grenze bleibt dieselbe: keine gesundheitsbezogenen Aussagen in den Creator-Mund legen. Was bei BARF sonst noch anders läuft, steht in BARF und Frischfleisch bewerben.

Quellen

  • IVH/ZZF – Der Deutsche Heimtiermarkt 2025 (Datenjahr 2025, Stand der Seite: 27.04.2026, Abruf 10.09.2026): ivh-online.de
  • ZZF – Pressemeldung „Der Deutsche Heimtiermarkt 2025“ (Abruf 10.09.2026): zzf.de
  • Influee – Startseite mit Preisangabe „UGC Videos from $82“ (Abruf 10.09.2026): influee.co
  • die medienanstalten – Leitfaden „Werbekennzeichnung bei Online-Medien“ (Abruf 10.09.2026): die-medienanstalten.de

Weiterlesen

Für Heimtier- und D2C-Marken, die bereits verkaufen und bei bezahlten Kampagnen ab rund 3.000 € Mediabudget im Monat denken. Darunter sagen wir dir ehrlich, ob du es besser selbst machst.

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Luca Bräunling, SKYLL GmbH
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