
Autor: Luca Bräunling, SKYLL GmbH · Stand: 01.10.2026
„Petfluencer“ ist ein Kofferwort aus dem englischen „Pet“ für Haustier und „Influencer“. Gemeint sind Social-Media-Kanäle, in deren Mittelpunkt ein Tier steht. Für eine Tiermarke reicht diese Antwort nicht, denn unter dem Begriff laufen sehr verschiedene Kanäle: der Kater, der per Texteinblendung „selbst“ spricht, die Hundetrainerin mit Erklärvideos, der Lifestyle-Account, durch den ab und zu ein Hund läuft.
Dieser Artikel ordnet den Begriff aus Sicht einer Marke, die mit Tier-Creatorn arbeiten will: was einen Petfluencer ausmacht, welche Arten es gibt, wie groß „groß“ ist und welche Regeln für Werbung und Tierschutz gelten. Wenn du selbst mit deinem Tier einen Kanal aufbauen willst, findest du den Weg dorthin in unserer Anleitung Petfluencer werden.
Inhalt
Ein Petfluencer ist ein Social-Media-Kanal, dessen Hauptfigur ein Tier ist, meist ein Hund oder eine Katze. Geführt wird er von einem Menschen, der Inhalte plant, filmt, mit der Community spricht und Kooperationen verhandelt. Der Wert für Marken liegt im Publikum: Einem Tierkanal folgen überwiegend Menschen, die selbst Tiere halten.
Gleichbedeutend sind Pet-Influencer, Tierinfluencer, Haustier-Influencer oder Influencer mit Tieren. Wichtig ist eine Kleinigkeit, die im Alltag gern untergeht: Das Tier unterschreibt keinen Vertrag. Vertragspartner, Empfänger der Gage und zuständig für Kennzeichnung und Inhalte ist immer der Mensch hinter dem Kanal, manchmal vertreten durch ein Management.
Das Publikum ist groß. Laut ZZF und IVH lebte 2025 in 43 Prozent der deutschen Haushalte mindestens ein Heimtier, darunter 15,7 Millionen Katzen und 10 Millionen Hunde. Katzen lebten in 24 Prozent der Haushalte, Hunde in jedem fünften (ZZF/IVH, Stand 23.04.2026).
Am Inhalt und an den Kommentaren, nicht an der Bio. Ein echter Petfluencer zeigt sein Tier in fast jedem Beitrag als Hauptfigur, hat eine wiedererkennbare Erzählweise, und unter den Beiträgen fragen Tierhalter nach Futter, Training oder Pflege. Fehlt einer der drei Punkte, ist es eher ein allgemeiner Account mit Tier.
Prüfen lässt sich das mit einem Test, der ohne Tool auskommt und keine zehn Minuten dauert:
1. Die letzten zehn Beiträge: In wie vielen ist das Tier die Hauptfigur? Als Faustregel: Unter acht von zehn ist es kein Petfluencer, sondern ein Account, auf dem auch ein Tier vorkommt.
2. Zwanzig Kommentare unter den drei neuesten Beiträgen: Wie viele davon erzählen vom eigenen Tier oder stellen eine Halterfrage („Welches Geschirr ist das?“, „Verträgt er das gut?“)? Je mehr, desto sicherer sitzt dort deine Zielgruppe.
3. Die Erzählstimme: Würdest du einen Beitrag ohne Profilnamen diesem Kanal zuordnen? Wiedererkennbare Formate sind das, was Follower hält, und genau das kaufst du mit.
Das ist eine Einordnung, noch keine Auswahl. Ob der Kanal zu deiner Marke passt und die Reichweite echt ist, prüfst du danach.
Die wichtigste Unterscheidung für Marken ist die Erzählperspektive: Spricht das Tier „selbst“, erzählt der Halter aus dem Alltag, oder erklärt eine Fachperson? Dazu kommen Nischenkanäle mit klarem Thema und Tierschutzkanäle. Jede Art eignet sich für andere Ziele, und an der Art hängt, wie streng du Aussagen prüfen musst.
| Art | Woran du sie erkennst | Wofür sie sich eignet |
|---|---|---|
| Tier-Ich-Kanal | Das Tier „spricht“ per Texteinblendung oder Stimme aus dem Off, viel Humor | Bekanntheit und Sympathie; schwächer bei Produkten, die man erklären muss |
| Halter-Alltag | Der Mensch erzählt, das Tier ist Teil des Alltags: Gassi, Fütterung, Tierarzttermin | Erfahrungsberichte, Futterwechsel, Rabattcodes |
| Fachstimme | Tierärztin, Hundetrainer oder Groomerin erklären und ordnen ein | Erklärungsbedürftige Produkte; Futteraussagen besonders genau prüfen, weil Fachleuten mehr geglaubt wird |
| Nischenkanal | Ein klares Thema: Seniorhund, eine bestimmte Rasse, Hundesport, Wohnungskatze | Spitze Zielgruppen, etwa Seniorfutter oder Sportzubehör |
| Tierschutzkanal | Vermittlung, Pflegestelle, Leben mit Tieren aus dem Tierschutz | Hohe Glaubwürdigkeit; die Marke muss zur Haltung des Kanals passen, sonst kommt Kritik aus der eigenen Community |
Zwei Fragen trennen die Begriffe: Ist das Tier die Hauptfigur, und bringt der Kanal eigenes Publikum mit? Ein Petfluencer erfüllt beides. Beim Influencer mit Haustier ist das Tier Nebenfigur. Ein UGC-Creator oder ein Tiermodel dreht für deinen Kanal, die Reichweite kommt dann aus deinem Werbebudget.
Für die Praxis heißt das: Willst du neue Kunden über jemanden erreichen, dem sie schon vertrauen, ist der Petfluencer das passende Format. Brauchst du vor allem Videos für eigene Anzeigen, ist ein UGC-Creator mit Tier oft günstiger, weil du keine Reichweite mitbezahlst. Und wer einem Mode-Account folgt, durch den ein Hund läuft, hält deshalb nicht automatisch selbst einen.
Die Stufen beschreiben die Followerzahl. Eine verbindliche Einteilung gibt es nicht, verbreitet ist diese: Nano 1.000 bis 10.000, Micro 10.000 bis 50.000, Mid-Tier 50.000 bis 250.000, Macro 250.000 bis eine Million, Mega darüber. Andere Anbieter schneiden anders, etwa Micro bis 100.000.
| Stufe | Follower | Typische Rolle für Tiermarken |
|---|---|---|
| Nano | 1.000–10.000 | Produkttests, Seeding, erste Erfahrungsberichte |
| Micro | 10.000–50.000 | Abverkauf über Rabattcode oder Affiliate-Link |
| Mid-Tier | 50.000–250.000 | Produktstarts, mehr Sichtbarkeit in kurzer Zeit |
| Macro | 250.000–1 Mio. | Kampagnengesicht, Bekanntheit |
| Mega | über 1 Mio. | Eher für internationale Kampagnen |
Die Followerzahl sagt über einen Tierkanal weniger aus als die Frage, wer zusieht. Für Futtermarken buchen wir am häufigsten Kanäle zwischen etwa 5.000 und 50.000 Followern, weil dort die Community meist eng ist und die Kommentare zeigen, ob echte Halter mitlesen. Was die einzelnen Stufen im Markt kosten und welche Posten in Angeboten fehlen, steht in unserem Überblick zu den Petfluencer-Kosten 2026.
Auf Instagram und TikTok, wo kurze Videos den Feed bestimmen und Tiere in Sekunden eine Geschichte erzählen. Dazu kommt YouTube für längere Formate wie Trainingsanleitungen, Produkttests und Vlogs. Viele Petfluencer bespielen mehrere Plattformen, haben aber meist eine, auf der ihre Community wirklich zu Hause ist.
Die Plattform ist für dich vor allem eine Frage des Formats. Auf Instagram laufen Kooperationen meist als Reel, Story-Serie oder gemeinsamer Beitrag, der in beiden Profilen erscheint. Auf TikTok funktionieren Kooperationen am besten, wenn sie aussehen wie ein normales Video des Kanals: gleicher Einstieg, gleiche Stimme, das Produkt erst, wenn die Geschichte schon läuft. Auf YouTube bekommt ein Produkt Minuten statt Sekunden, ein Vorteil für Spezialfutter oder Ortungsgeräte. Wie Kooperationen auf Instagram aufgebaut und gemessen werden, beschreiben wir in Petfluencer auf Instagram.
Über bezahlte Beiträge, Produktkooperationen, Provisionen aus Rabattcodes und Affiliate-Links, über Nutzungsrechte, wenn Marken das Video als Anzeige weiterverwenden, und über längere Botschafterverträge. Manche verkaufen zusätzlich eigene Produkte. Für dich als Marke bestimmt das Modell, was du am Ende messen kannst.
Wie jeder andere Creator auch: Ist ein Beitrag bezahlt oder an eine Gegenleistung geknüpft, steht „Werbung“ oder „Anzeige“ gut lesbar am Anfang. Das gilt auch für geschenkte Produkte, wenn eine Veröffentlichung erwartet wurde. Dass ein Tier die Hauptfigur ist, ändert an der Pflicht nichts.
Die Medienanstalten empfehlen in ihrem Leitfaden zur Werbekennzeichnung (Stand Mai 2025) folgende Kennzeichnung:
| Situation | Kennzeichnung | Wo |
|---|---|---|
| Bezahlter Beitrag, Produkt in der Hauptrolle | „Werbung“ oder „Anzeige“ | Am Anfang des Beitrags; im Video während der gesamten Werbesequenz eingeblendet |
| Produkt geschenkt, Veröffentlichung war erwartet oder abgesprochen | „Werbung“ oder „Anzeige“ | Wie beim bezahlten Beitrag |
| Rabattcode | „Werbung“ oder „Anzeige“ | Direkt beim Code |
| Affiliate-Link | Sternchen (*) mit Erklärung | Direkt beim Link |
| Beitrag aus eigenem Antrieb, ohne Anreiz von außen | Keine | – |
Die letzte Zeile ist enger, als sie klingt. Zeigt ein Creator Produkte eines fremden Unternehmens, wird nach § 5a Abs. 4 UWG vermutet, dass er dafür eine Gegenleistung bekommen hat, es sei denn, er macht glaubhaft, dass das nicht so ist. Für Marken heißt das: Kennzeichnung gehört ins Briefing, mit dem genauen Wortlaut und der Stelle, an der er steht. Das ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung.
In Deutschland verbietet § 3 Nr. 6 des Tierschutzgesetzes, ein Tier für Filmaufnahmen oder Werbung heranzuziehen, wenn damit Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind. In Österreich dürfen Tiere in Werbung zusätzlich keine Qualzuchtmerkmale zeigen. Für Marken heißt das: Das Wohl des Tieres gehört ins Briefing, nicht erst in die Freigabe.
Die österreichische Regel steht in § 8b Abs. 3 des dortigen Tierschutzgesetzes und gilt für Abbildungen von Tieren zu Werbezwecken. Ein Creator-Video, das in Österreich als Werbung läuft, fällt nach unserem Verständnis darunter. In Deutschland ist die Qualzucht selbst nach § 11b Tierschutzgesetz verboten. Ob ein Tier mit solchen Merkmalen das Gesicht deiner Kampagne sein sollte, beantwortet sich damit für die meisten Tiermarken von selbst.
Drei Sätze, die deshalb in jedes Briefing gehören:
„Das Tier bestimmt, wann der Dreh endet. Wenn es nicht mehr mitmacht, drehen wir an einem anderen Tag weiter.“
„Keine Szene, für die das Tier hungern, lange warten, sich verkleiden lassen oder etwas Unangenehmes aushalten muss.“
„Futter wird nur in der Menge gezeigt und gefüttert, die zur Fütterungsempfehlung passt.“
Bei der Auswahl gilt dasselbe: Kanäle, die Qualzucht unkritisch inszenieren, kommen für unsere Kampagnen nicht infrage.
Ja, wenn dein Produkt etwas ist, das ein Tier im Video tatsächlich frisst, trägt oder benutzt, und wenn die Zielgruppe Tierhalter sind. Nein, wenn sich das Produkt nicht zeigen lässt oder du nur eine einzelne Kooperation ohne Plan dahinter willst. Dann sind Anzeigen meist der bessere Hebel.
Ein Beispiel aus unserer Arbeit: Für eine BARF-Marke haben vier Petfluencer in drei Monaten über 150.000 Euro Neukundenumsatz gebracht. Die Ausgangslage war günstig: Bei BARF müssen Halter jemandem vertrauen, bevor sie das Futter wechseln, die Marke verkauft direkt an Hundehalter, und der Umsatz ließ sich über die Affiliate-Links der Creator einzeln zuordnen. Das zeigt, was möglich ist, ist aber kein Richtwert für andere Marken oder Produkte.
Wenn du gerade überlegst, ob Petfluencer für dein Produkt der richtige Weg sind, schau dir an, wie wir als Agentur für Petfluencer arbeiten, und sprich uns an. Wir sagen dir zuerst, ob Creator für dich passen, bevor es um Gagen geht.
Die Fragen unten kommen meist erst, wenn die erste Kooperation konkret wird. Es geht um andere Tierarten, Fachleute mit eigenem Kanal, Rechte an fremden Videos und darum, was passiert, wenn das Tier ausfällt. Die Antworten ergänzen den Artikel, statt ihn zu wiederholen.
Gibt es Petfluencer auch mit anderen Tieren als Hund und Katze?
Ja, etwa mit Kaninchen, Meerschweinchen, Vögeln, Pferden oder Reptilien. Laut ZZF und IVH lebten 2025 insgesamt 33,4 Millionen Hunde, Katzen, Kleinsäuger und Ziervögel in deutschen Haushalten. Die Kanäle sind meist kleiner, das Thema dafür sehr eng, was für Marken mit Kleintier- oder Pferdesortiment interessant ist.
Ist eine Tierärztin mit Instagram-Kanal ein Petfluencer?
Im weiteren Sinn ja, sie gehört zur Fachstimme. Für Futtermarken ist hier Vorsicht geboten: Was eine Tierärztin über ein Futter sagt, wirkt wie ein medizinisches Urteil. Welche Formulierungen bei Futter erlaubt sind und welche abgemahnt werden, haben wir in Was Creator über Tierfutter sagen dürfen zusammengestellt. Bei einer Fachstimme lohnt dieser Abgleich doppelt.
Darf ich das Video eines Petfluencers einfach in meinem Markenkanal teilen?
Nein. Das Video gehört dem Creator. Ein Repost, ein Zuschnitt für Anzeigen oder die Nutzung auf deiner Website braucht eine ausdrückliche Erlaubnis mit Umfang und Laufzeit, am besten schriftlich und vor dem Dreh.
Was passiert, wenn das Tier während der Kampagne krank wird oder stirbt?
Das sollte im Vertrag stehen, bevor es passiert: Verschiebung, Nutzung von bereits gedrehtem Material oder Rücktritt ohne Kosten für beide Seiten. Und intern: Läuft zu dem Zeitpunkt eine Anzeige mit dem Tier, wird sie pausiert, bevor die Community es dir sagen muss.
Marktzahlen stammen aus der Erhebung von ZZF und IVH, die Regeln zur Kennzeichnung aus dem Leitfaden der Medienanstalten und dem UWG, die Tierschutzregeln direkt aus den Gesetzestexten in Deutschland und Österreich. Die Größenstufen sind Branchenkonvention und nach Sekundärquellen angegeben. Alle Abrufe am 01.10.2026.
ZZF – Zentralverband der Heimtierbranche e.V. und IVH – Industrieverband Heimtierbedarf e.V.: „Der Deutsche Heimtiermarkt 2025“, Pressemeldung, Stand 23.04.2026. zzf.de
Die Medienanstalten: „Leitfaden der Medienanstalten – Werbekennzeichnung bei Online-Medien“, Stand Mai 2025, abgerufen am 01.10.2026. die-medienanstalten.de
Bundesministerium der Justiz: Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, § 5a, abgerufen am 01.10.2026. gesetze-im-internet.de
Bundesministerium der Justiz: Tierschutzgesetz, § 3, abgerufen am 01.10.2026. gesetze-im-internet.de
Bundesministerium der Justiz: Tierschutzgesetz, § 11b, abgerufen am 01.10.2026. gesetze-im-internet.de
Rechtsinformationssystem des Bundes (Österreich): Tierschutzgesetz, § 8b, abgerufen am 01.10.2026. ris.bka.gv.at
Sparkful Media: „Influencer Preise 2026 in Deutschland: Tabelle nach Followern + Kostenfaktoren“, Sekundärquelle für die Größenstufen, abgerufen am 01.10.2026. sparkful.media
Kolsquare: „Influencer Marketing 2026: Das sind die Budget-Kosten“, Sekundärquelle für die abweichende Einteilung, abgerufen am 01.10.2026. kolsquare.com
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