
Autor: Luca Bräunling, SKYLL GmbH · Stand: 08.09.2026
Ein Petfluencer schickt dir sein Media Kit, darin steht eine große Zahl, und du sollst daraus ableiten, ob sich eine Kooperation lohnt. Das Problem: Die größte Zahl im Dokument ist fast nie die wichtigste – und die wichtigste fehlt in vielen Media Kits komplett.
Dieser Artikel zeigt dir, welche sechs Kennzahlen wirklich etwas über den Wert eines Accounts aussagen, wie du sie liest, und woran du ein geschöntes Media Kit erkennst. Als durchgerechnetes Beispiel dient das Media Kit von @elena_and_ayla, einem Hunde-Account aus Österreich, mit dem wir für die Marke RINTI gearbeitet haben.
Kurz: Kauf Reichweite, nicht Follower. Prüf zuerst die Länderverteilung, dann die Altersverteilung, dann die Shares – erst danach die große Zahl auf Seite eins.

Ein Media Kit ist die Bewerbungsmappe eines Creators. Er erstellt es selbst, wählt selbst aus, welchen Zeitraum er zeigt, und stellt sich darin logischerweise von seiner besten Seite dar. Das ist kein Vorwurf – jede Agentur macht das mit ihren Case Studies genauso, wir eingeschlossen.
Daraus folgt aber eine Leseregel: Ein Media Kit ist kein geprüfter Nachweis, sondern eine Selbstauskunft. Der einzige Teil, der dieser Prüfung nahekommt, sind unbeschnittene Screenshots aus der App – mit sichtbarem Zeitraum, sichtbarem Kanal und sichtbarem Kontonamen. Wer die mitliefert, macht sich angreifbar und hat es deshalb meistens nicht nötig zu schönen.
Und ein Media Kit sagt dir nichts über das, was am Ende zählt: ob die Menschen in diesem Account dein Produkt kaufen. Es sagt dir nur, ob es sich überhaupt lohnt, das herauszufinden.
Follower sind eine Altlast aus der Zeit, als Plattformen chronologisch ausgespielt haben. Heute entscheidet auf Instagram und TikTok der Inhalt darüber, wer ein Video sieht – nicht das Abo. Du kaufst also Reichweite, keine Abonnenten. Frag nach Views pro Monat, aufgeschlüsselt nach Kanal, und lass dir den Zeitraum nennen.
Das ist die Zahl, die in schwachen Media Kits fehlt, und die den Wert eines Accounts für dich halbieren oder verdoppeln kann. Wenn du deutsches Hundefutter verkaufst und 45 Prozent der Views in Indien und Brasilien entstehen, zahlst du für Reichweite, die dir nichts bringt. Umgekehrt ist ein kleinerer Account mit 90 Prozent DACH-Anteil oft der bessere Kauf.
Gleich die Gegenprobe machen: Wer kauft dein Produkt wirklich? Bei Tierfutter sind das Menschen mit eigenem Haushalt und eigenem Tier. Ein hoher Anteil unter 18 ist kein Ausschlusskriterium – Jugendliche teilen mit Abstand am meisten und tragen Reichweite weiter –, aber sie kaufen die Dose nicht. Rechne diesen Anteil aus deiner Kalkulation heraus und schau, was übrig bleibt.
Diese Zahl steht in den Instagram-Insights und wird selten erklärt. Sie sagt dir, ob der Algorithmus die Inhalte noch aktiv an neue Leute ausspielt. Ein hoher Nicht-Follower-Anteil bei Reels heißt: Der Account wächst gerade und erreicht ständig fremde Menschen – gut für Bekanntheit. Bei Stories ist es genau umgekehrt: Da ist ein Followeranteil nahe 100 Prozent normal und richtig, denn Stories werden fast nur an die eigene Community ausgespielt. Wer dir hohe Nicht-Follower-Reichweite bei Stories verspricht, hat die Zahl nicht verstanden.
Likes sind billig. Ein Share ist der einzige Mechanismus, mit dem Reichweite kostenlos weiterwandert, und ein gespeichertes Video ist ein Kaufsignal: Jemand will später darauf zurückkommen. Setz beide ins Verhältnis zu den Views. Ein Account mit weniger Views, aber deutlich mehr Shares pro Video ist für eine Produkteinführung häufig wertvoller.
Jeder Account hat irgendwann ein Video, das durch die Decke geht. Ein Media Kit, das genau diesen einen Monat zeigt, sagt dir nichts. Lass dir drei aufeinanderfolgende Monate geben und schau auf den Median, nicht auf den Spitzenwert.
Elena ist Content Creatorin aus Österreich, Ayla ihr Weißer Schäferhund. Der Account läuft auf Instagram und TikTok unter @elena_and_ayla für den deutschsprachigen Raum, dazu kommt ein internationaler Kanal. Wir haben ihr Media Kit einmal nach dem Raster oben durchgesehen.
| Kennzahl | Wert | Was daraus folgt |
|---|---|---|
| Views pro Monat, DACH | 7,8 Mio. (Instagram 6,5 Mio., TikTok 1,3 Mio.) | Schwerpunkt liegt klar auf Instagram – für eine reine TikTok-Kampagne wäre das der falsche Kanal. |
| Länderverteilung | Deutschland 75,2 %, Österreich 12,1 %, Schweiz 6,0 % | 93 % DACH. Für eine deutsche Futtermarke ist praktisch keine Reichweite verschenkt. |
| Altersverteilung | 18–24: 40,5 %, 25–34: 34,9 %, 13–17: 15,1 %, 35–44: 5,7 % | 75 % liegen in der kaufkräftigen Spanne 18–34. Die 15 % unter 18 tragen die Reichweite, kaufen aber nicht. |
| Erreichte Konten, Instagram | 2,4 Mio., davon 81 % Nicht-Follower | Der Algorithmus spielt aktiv an fremde Menschen aus – ein Account in der Wachstumsphase. |
| Weiterleitungen, TikTok | 69.000 Shares bei 242.000 Likes pro Monat | Rund ein Share auf 3,5 Likes. Die Inhalte werden weitergegeben, nicht nur konsumiert. |
Interessant ist hier die Kombination aus zwei Werten: sehr hohe DACH-Konzentration und ein junges Publikum. Für Tierfutter bedeutet das Erstkäufer – Menschen mit ihrem ersten eigenen Hund, die ihre Marke noch nicht gewählt haben. Genau diese Gruppe ist teuer über Anzeigen und günstig über Creator zu erreichen. Was so eine Kampagne marktüblich kostet, haben wir in Petfluencer-Kosten 2026 aufgeschlüsselt.
Für die Marke RINTI (Finnern GmbH & Co. KG) sind mit dem Account zwei als Werbung gekennzeichnete Reels entstanden. Kein gestelltes Studio-Setup, sondern Ayla in der Futtergang des Supermarkts – dort, wo der Hund ohnehin hinwill.
Nach den Zahlen aus dem Media Kit kamen die beiden Beiträge zusammen auf 125.600 Likes, 14.300 Weiterleitungen, 13.800 Speicherungen und 470 Kommentare; auf Instagram wurde der Inhalt rund 1.800 Mal von anderen Accounts erneut geteilt. Die Nutzungsrechte wurden anschließend verlängert.
Zwei Dinge lassen sich daraus ableiten – und ein drittes ausdrücklich nicht.
Erstens: Das Verhältnis von Speicherungen zu Likes ist der eigentliche Befund. Über 13.000 Menschen haben ein Futterprodukt weggespeichert, um später darauf zurückzukommen. Das ist eine Kaufabsicht, keine Höflichkeitsreaktion.
Zweitens: Die 1.800 Reposts sind Reichweite, die niemand bezahlt hat. Genau deshalb schauen wir bei der Creator-Auswahl auf Shares und nicht auf Follower.
Und drittens, das Wichtige: Diese Zahlen sind kein Versprechen. Sie sind das Ergebnis einer Kooperation mit diesem Account, diesem Produkt und diesem Format. Wer dir auf Basis fremder Kampagnenzahlen ein Ergebnis für deine Marke garantiert, verkauft dir eine Erwartung, keine Leistung.
Das Media Kit ist der Anfang des Gesprächs, nicht das Ende. Diese fünf Punkte klärst du vor dem Angebot:
Wie du systematisch zu einer Auswahlliste kommst, statt auf eingehende Anfragen zu reagieren, steht in Petfluencer finden. Und wenn du wissen willst, wie eine Zusammenarbeit bei uns abläuft: So läuft die Zusammenarbeit ab.
Nicht zwingend. Viele sehr gute, kleinere Accounts haben keins, weil sie bisher direkt angefragt wurden. In dem Fall bittest du einfach um Screenshots aus den Insights – Views der letzten 30 Tage, Top-Länder, Altersgruppen. Wer damit nichts anfangen kann, hat noch nie professionell zusammengearbeitet, und das ist eine Information für sich.
Die Frage führt in die Irre. Entscheidend ist, wie viele Menschen aus deiner Zielgruppe der Account pro Monat tatsächlich erreicht. Ein Account mit 20.000 Followern und 90 Prozent DACH-Anteil bringt dir mehr als einer mit 200.000 Followern, deren Reichweite überwiegend im Ausland entsteht.
Teilweise. Öffentlich sichtbar sind Likes, Kommentare und bei TikTok auch die Weiterleitungen – die kannst du selbst nachzählen. Views, Länder- und Altersverteilung siehst du nur in den Insights des Accounts. Deshalb sind unbeschnittene Screenshots so viel wert.
Das hängt vom Ziel ab, nicht von der Plattform. TikTok verteilt Reichweite stärker nach Inhalt und ist gut für schnelle Bekanntheit; Instagram trägt über Stories und Speicherungen weiter in Richtung Kauf. Bei Accounts, die auf beiden Kanälen laufen, lohnt es sich, die Views getrennt anzusehen – sie fallen oft sehr unterschiedlich aus. Mehr dazu in TikTok-Marketing für Tierfuttermarken.
Ein Creator, zwei bis drei Beiträge, ein klar messbares Ziel – zum Beispiel gespeicherte Beiträge und Klicks auf den Shop. Erst wenn das funktioniert, skalierst du auf mehrere Creator. Alles andere ist ein teurer Blindflug.
Weiterlesen
Für Heimtier- und D2C-Marken, die bereits verkaufen und bei bezahlten Kampagnen ab rund 3.000 € Mediabudget im Monat denken. Darunter sagen wir dir ehrlich, ob du es besser selbst machst.

E-Mail oder Anruf – innerhalb von 24 Stunden hörst du von uns.